ContainerGrid GmbH
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80797 München
Weltweit sind mehr als 100 Millionen industrielle Großverpackungen im Einsatz: Flexible Intermediate Bulk Containers (FIBC, „Big Bags"), Intermediate Bulk Containers (IBC) und Großladungsträger (GLT). Sie kommen vor allem in der Chemie, im Bau und in der Automobilindustrie zum Einsatz und bestehen aus hochwertigen Polymeren wie PP, HDPE oder PET. Nach einmaliger oder kurzer Nutzung werden sie jedoch meist verbrannt oder minderwertig recycelt. Wertvolle Rohstoffe gehen dauerhaft verloren, fossile Neuware muss nachproduziert werden, und es entstehen CO₂-Emissionen, die vermeidbar wären.
Dass es anders geht, ist längst gezeigt. Das hochwertige Closed-Loop-Recycling, etwa von FIBC zu FIBC, ist materialwissenschaftlich nachgewiesen und in Pilotansätzen erprobt. Es scheitert nicht am Material, sondern am System. Rücknahmen organisiert jeder Hersteller für sich, die Mengen an den Anfallstellen sind klein und verstreut, und die Abstimmung zwischen Nutzern, Logistikern, Recyclern und Herstellern läuft überwiegend manuell. Das treibt die Kosten: Ein erheblicher Teil der Kosten des Sekundärrohstoffs entfällt allein auf die Rückführlogistik. Ohne durchgängige Daten bleibt zudem unklar, ob ein Material tatsächlich in geprüfter Qualität in den Kreislauf zurückgefunden hat.
Ziel des Projekts ist eine digitale Plattform, die Materialflüsse, Qualitätsanforderungen und wirtschaftliche Anreize erstmals unternehmensübergreifend und produktneutral zusammenführt. Virtuelle Materialkonten machen Rückführungen nachvollziehbar, gebündelte Abholungen erschließen Synergien zwischen den Rücknahmesystemen verschiedener Hersteller. Angestrebt werden geschlossene Rückführungen für jeden der betrachteten Verpackungstypen, eine Verkürzung der Fahrstrecken um mindestens 20 Prozent sowie eine spürbare Senkung des manuellen Koordinationsaufwands. So schont das Vorhaben Ressourcen, weil hochwertige Kunststoffe in gleichwertige Anwendungen zurückkehren statt in Downcycling und Verbrennung, und es senkt CO₂-Emissionen durch weniger Primärkunststoff und kürzere Transporte.
Das Vorhaben läuft über 11 Monate und gliedert sich in acht Arbeitspakete. Konzipiert und erprobt wird die Plattform gemeinsam mit Anwendungspartnern aus den Bereichen Industrieverpackung, Transportverpackung und Sportequipment.
Den Auftakt bildet die Anforderungsanalyse (Monate 1 bis 3). In leitfadengestützten Interviews mit Herstellern, Nutzern, Logistikern und Recyclern werden bestehende Rücknahmeprozesse aufgenommen, Hemmnisse identifiziert und die Anforderungen an die Plattform abgeleitet.
Darauf aufbauend entsteht das Konzept der digitalen Orchestrierung (Monate 3 bis 5). Kern ist ein produktübergreifendes Daten- und Prozessmodell, das aus den Interviews zu einem abstrahierten Referenzmodell verdichtet und an Beispielszenarien iterativ validiert wird.
Parallel wird untersucht, wie sich Synergien zwischen Rückführsystemen erschließen lassen (Monate 4 bis 7). Analysiert werden gemeinsame Abholungen, dezentrale Sammellager und abgestimmte Rückführzyklen. Auf dieser Basis entsteht ein Governance-Modell für virtuelle Materialkonten, das Zugriffsrechte, Einzahlungs- und Entnahmelogiken sowie Auditanforderungen festlegt.
Die prototypische Umsetzung (Monate 5 bis 9) überführt Anforderungen und Konzepte in Software. Auf Basis der bereits im produktiven Einsatz befindlichen Plattform werden die Kernmodule für virtuelle Materialkonten, Qualitätsmanagement, Logistikorchestrierung und Analytics neu entwickelt und integriert. Die Umsetzung erfolgt iterativ, mit regelmäßigen Feedbackschleifen an den Anwenderschnittstellen.
In der Pilotierung (Monate 7 bis 11) wird je Verpackungstyp mindestens ein realer Rückführprozess digital abgebildet, mit vier bis fünf Akteuren entlang der Kette. Erhoben werden Mengen, Qualitätsparameter, Transportwege und Koordinationsaufwände; der Vergleich mit dem Ausgangszustand liefert die Kennzahlen zur Transport- und Aufwandsreduktion.
Ein eigener Strang prüft die Übertragbarkeit auf multimaterielle Produkte (Monate 6 bis 11). Am Beispiel Sportequipment werden Anforderungen erhoben, der Prototyp angepasst und ein Transferpilot durchgeführt.