MOOT Upcycling GmbH
Juliusstr. 64
12051 Berlin
Die Textilindustrie gehört weltweit zu den größten Umweltverursachern, während die Wiederverwertungsquote aussortierter Textilien sehr niedrig ist. Klassische Recyclingansätze sind oft ressourcenintensiv, weil Fasermixe mechanisch und/oder chemisch getrennt werden müssen. MOOT nutzt daher das Potenzial des industriellen Upcyclings: Intakte textile Flächen werden nicht zerlegt, sondern direkt aufgewertet und in neue Produkte überführt.
Obwohl Prozess-Know-how vorhanden ist, findet Upcycling bislang vor allem als handwerkliche Einzelanfertigung und in Kleinserien statt. Das führt zu hohen Kosten, geringer Effizienz und erschwert die Überführung in industrielle Maßstäbe. Wesentliche Hemmnisse sind fehlende Digitalisierung, Automatisierung und Standardisierung. Zudem wird Upcycling häufig als kreative Nische wahrgenommen; es fehlen gezielte Kommunikations- und Bildungsmaßnahmen, um es als Alternative zu etablieren. Der Zugang ist außerdem komplex und intransparent, weshalb niedrigschwellige Werkzeuge nötig sind, um Upcycling im industriellen Maßstab anwendbar zu machen.
Das Vorhaben adressiert diese Defizite durch Bildungs- und Umweltkommunikationsmaßnahmen (Vorträge, Workshops, Messeauftritte, Lehrveranstaltungen) und durch Zusammenarbeit mit Stakeholdern aus Industrie und Wissenschaft, um Wissen dort zu vermitteln, wo es direkt angewendet werden kann.
Ziel ist, Upcycling als skalierbare, datenbasierte Lösung für die textile Kreislaufwirtschaft zu etablieren, Prozesse zu digitalisieren, Umweltwirkungen systematisch zu bilanzieren und Upcycling-Wissen für Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft zugänglich zu machen. Kern ist eine öffentlich zugängliche Upcycling-Datenbank, die Produkt- und Prozessdaten erfasst und Umweltkennzahlen integriert. Darauf aufbauend entsteht ein interaktives Baukastensystem: Eingaben zu Materialart, Menge und Zustand erzeugen automatisierte Vorschläge für realisierbare Upcycling-Produkte inkl. Materialbedarf, Designoptionen, Preisindikatoren und Umweltwirkung. Die Ökobilanz wird vergleichend zu konventionellen Neuprodukten modelliert und in der Plattform visualisiert, um Transparenz zu schaffen und den ökologischen Mehrwert quantifizierbar zu belegen. Die Umweltziele sind skalierbar: Pro Kilogramm Upcycling-Produkt werden CO₂ und Wasser gegenüber Neuware vermieden; übertragen auf kontinuierliche Textilströme sind erhebliche CO₂-Einsparungen möglich und Fortschritte auf Portfolio-Ebene mess- und kommunizierbar. für Unternehmen & NGOs.
Das Vorhaben ist als 18-monatiger, aufeinander aufbauender Entwicklungs- und Transferprozess angelegt. Den Auftakt bildet eine Eröffnungsveranstaltung zur Abstimmung der Roadmap und zur Einbindung aller Partner.
AP1 – Ausbau der Datenbank (Monat 1–5): Zunächst wird die digitale Plattform konzipiert, die relevante Produkt- und Prozessdaten strukturiert erfasst. Parallel werden Materialien, Schnitte und Techpacks systematisch erhoben und so aufbereitet, dass textile Flächen automatisiert möglichen Produktableitungen zugeordnet werden können. Darauf aufbauend wird eine Matching-Engine entwickelt, die Material-Inputs in konkrete Produktvorschläge inklusive Stücklisten, Taktzeiten, Kostengerüsten und Impact-Werten überführt.
AP2 – Integration von LCA-Daten (Monat 6–9): Anschließend werden etablierte LCA-Datenbanken angebunden. Methodisch werden CO₂-, Wasser- und Energieeinsparungen je Produkt modelliert, mit konventionellen Neuprodukten verglichen und direkt in der Plattform visualisiert. So entsteht eine transparente, quantifizierbare Entscheidungsgrundlage.
AP3 – Entwicklung des Baukastensystems (Monat 10–13): Aufbauend auf Datenbank und LCA-Modul wird ein nutzergeführtes, digitales Tool umgesetzt. Eingaben generieren automatisierte Vorschläge für realisierbare Upcycling-Produkte. Technische Schnittstellen sichern die Übertragbarkeit in reale Produktionsprozesse.
AP4 – Testphase und Optimierung (Monat 14–15): In Trial-Runs mit Pilotunternehmen wird das System anhand realer Materialströme erprobt. Funktionalität, Datenqualität und Matching-Logik werden evaluiert und technisch feinjustiert.
AP5 – Verbreitung und Kommunikation (Monat 16–18): Abschließend erfolgen Workshops mit Hochschulen, Unternehmen und Multiplikator:innen sowie die Verbreitung über Website und Social Media. Eine Abschlussveranstaltung stellt Datenbank und Pilotprojekte vor und fördert den Transfer in weitere Anwendungen.
Arbeitsteilung: Frankenhuis B.V. und Fashion to Fiber unterstützen Kreislaufführung, Materialstudien und Logistik. Fashion Council Germany, TU Berlin und BSP begleiten Kommunikation und Transfer; die TU Berlin bringt sich zudem in die technische Umsetzung ein.
Über den Stand des Handelns hinaus geht die systematische Kopplung von Prozesswissen und Umweltwirkung. Upcycling wird von kreativen Einzellösungen zu einem datenbasierten, reproduzierbaren und auditierbaren Industriestandard weiterentwickelt und so als skalierbare Lösung zur nachhaltigen Umweltentlastung etabliert.