Hochschule Rhein-Waal
Marie-Curie-Str. 1
47533 Kleve
Die Auswirkungen des sich durch den Einfluss des Menschen ändernden Klimas werden immer deutlicher. Im Zuge des Temperaturanstiegs erhöht sich die Gefahr der Überhitzung urbaner Zentren durch den „Wärmeinsel- Effekt“. Die daraus resultierenden Wärmetage und –Nächte führen zu gravierenden gesundheitlich nachteiligen Effekten für die Bürger.
Zur Vermeidung dieser Effekte stehen unterschiedliche Ansätze zur Verfügung: Städtebauliche zur Verbesserung der Durchlüftung, Erhöhung des Grünanteils durch Parks, Vertikalgärten und Gründächer, verstärkter Einbau und Nutzung von wasserverdunstenden Rückkühlwerken (VKA/ RLT-Anlagen) in Gebäudekomplexen. Vor allem letztere sorgen aufgrund ihres hohen Energie- und Wasserbedarfs für eine enorme Belastung dieser Ressourcen. Das Trinkwasser könnte dabei –zumindest technisch- teilweise durch anfallendes Regenwasser vom Dach substituiert werden.
Ziel des hier zur Förderung gebrachten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens ist es, die Einsatzmöglichkeiten von Regenwasser zur Verdunstungskühlung zu prüfen und ggfls. technisch- wissenschaftliche Standards daraus abzuleiten.
Für die zu erwartenden klimawandelbedingten Temperaturanstiege vor allem in Ballungsgebieten, bei gleichzeitigem Wassermangel, sollten frühzeitig Alternativen geprüft und deren Verwendung forciert werden. Wurde eine Stadt bereits in Richtung Schwammstadt umgebaut und der Einsatz des von Dächern anfallenden Regenwassers nicht bzw. zu wenig berücksichtigt, sind Korrekturen nur noch schwer möglich.
- (Physiko-)Chemische Charakterisierung von Regenwasser
Die chemische Charakterisierung des Regenwassers bildete den Ausgangspunkt für die Untersuchungen. Es wurden Parameter wie der pH- und Leitwert, die Wasserhärte sowie der Gehalt an Nitrat, Phosphat und organischen Verbindungen in Regenwasserproben untersucht. Analysen fanden mit Hilfe entsprechender Messgeräte, Spektroskopie und photometrischer Bestimmungskits statt.
- Biofilm-Anzucht in statischen Modellen
Nach der Charakterisierung des Regenwassers, wurde Biofilmbildung unter Verwendung von Regenwasser untersucht. Dabei handelte es sich um ein erstes Screening, weshalb diese Versuche statisch in 6-Well-Zellkulturschalen durchgeführt wurden. Hierzu wurden speziell zugeschnittene Medien verwendet, die in unterschiedlichen Konzentrationen mit Regenwasser/Trinkwasser kombiniert wurden, um die Auswirkungen auf die Biofilmproduktion zu vergleichen. Bewertet wurde das Biofilmwachstum zum Beispiel anhand von Wachstumskurven basierend auf der optischen Dichte, Färben und Quantifizierung der Biofilmmasse mittels Kristallviolett und fluoreszenzmikroskopischen Aufnahmen. Zusätzlich wurde extrahierte DNA verwendet, um eine DNA-Sequenzierung zur Identifikation mikrobieller Spezies durchzuführen. Weiterhin erfolgten Keimzahlbestimmungen (KbE) durch serielle Verdünnungen und Plattierung auf Agar.
- Praktische Felduntersuchungen in Verdunstungskühlanlagen
Die Laborergebnisse wurden durch Feldversuche ergänzt, bei denen zuvor entwickelte Probenträger in realen Verdunstungskühlanlagen eingesetzt wurden. Vier verschiedene Anlagen in NRW wurden für die Probennahme identifiziert und die Biofilmträger für ein bis drei Monate im Kühlwasser platziert. Diese Versuche ermöglichten es, an die Umgebung angepasste Biofilme aus VKAs zu gewinnen und deren Zusammensetzung durch DNA-Sequenzierung zu bestimmen. Die mesophile aerobe Gesamtkeimzahl pro Träger wurde bestimmt und die DNA isoliert. Zur Ergänzung wurden weitere mikrobiologische Parameter untersucht.
- Biofilm-Anzucht ex-situ durch Nutzung des CDC-Reaktors
Um die potenzielle Entwicklung von Biofilmen in Verdunstungskühlanlagen zu simulieren, wurden die erhaltenen Biofilme genutzt, um den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Biofilm-Reaktor zu beimpfen. Nach der Biofilmanzucht wurden die Zellen beschrieben und die mesophile aerobe Gesamtkeimzahl, sowie die Zellzahl weiterer relevanter mikrobiellen Gruppen bestimmt. Zusätzlich wurde die gesamte Biofilmmasse verglichen
Im Rahmen des Projekts „Klimawandelanpassung durch Trinkwassersubstitution für Rückkühlwerke“ wurden zahlreiche Experimente durchgeführt, um die Eignung und Effektivität der Regenwassernutzung in Verdunstungskühlanlagen zu bewerten. Diese umfassen sowohl Laboruntersuchungen zur allgemeinen Biofilmbildung spezifischer Spezies, als auch die Untersuchung von Biofilmen aus realen Verdunstungskühlanlagen, die über einen längeren Zeitraum betrieben wurden.
Die durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass die Nutzung von Regenwasser in Verdunstungskühlanlagen ein vielversprechender Ansatz für nachhaltige Klimaanpassung und Ressourcenschonung sein kann. Regenwasser könnte eine ökologisch sinnvolle Alternative zu Trinkwasser bieten, insbesondere bei gezielter Wasseraufbereitung wie UV-Sterilisation. Dies reduziert nicht nur den Biozidbedarf, sondern trägt auch zur Kontrolle der Biofilmbildung bei. Praktische Feldversuche und Untersuchungen im Labormaßstab lieferten wertvolle Erkenntnisse zur mikrobiellen Zusammensetzung und den Einflussfaktoren auf Biofilmbildung. Jedoch geben unsere Versuche keine Hinweise darauf, dass ein erhöhtes gesundheitliches Risiko durch angereicherte Pathogene in den mikrobiellen Gemeinschaften von Trinkwasser und Regenwasser besteht.
Ausgewählte Ergebnisse werden im Abschlussbericht dargestellt.
Als Outcome dieses Projektes sollen ausgewählte Ergebnisse verschiedener Versuchsreihen in wissenschaftlichen Journals publiziert werden. Im aktuellen Fokus steht eine Veröffentlichung, die die Daten zur mikrobiellen Zusammensetzung von Biofilmen in VKAs und den anschließenden ex-situ Versuchen im CDC-Reaktor umfassen soll.
Eine weitere Veröffentlichung basierend auf den Wachstumskurven ausgewählter Bakterien in verschiedenen Wassertypen ist geplant.
Zusätzlich wird in der Zeitschrift fbr-Wasserspiegel über das Projekt berichtet. Der Artikel wurde bereits eingereicht, jedoch noch nicht veröffentlicht. Für die Mitgliederversammlung des Bundesverbands für Betriebs- und Regenwasser, fbr, wurde ein One-Pager erstellt, um die Ergebnisse vorzustellen.
Auch auf Tagungen wurde im Rahmen von Vorträgen berichtet.
Die Nutzung von Regenwasser in Verdunstungskühlanlagen hat großes Potenzial, sowohl für die Klimawandelanpassung als auch für die Ressourcenschonung. Die bisherigen Untersuchungen zur Nutzung von Regenwasser in Verdunstungskühlanlagen haben gezeigt, dass Regenwasser eine nachhaltige Alternative zu Trinkwasser darstellen könnte, wenn es richtig behandelt wird. Insbesondere die Kombination von Regenwasser mit UV-Sterilisationstechnologien könnte sich als effektiv erweisen, um die Biofilmbildung zu kontrollieren und die Notwendigkeit von Biozidzusätzen generell zu reduzieren. Die mikrobiologischen Untersuchungen, einschließlich der DNA-Analyse der Biofilme, zeigten zwar, dass Regenwasser in Verdunstungskühlanlagen eine andere mikrobielle Flora fördert, die spezifische Anforderungen an die Wartung und Überwachung der Systeme stellen könn-ten. Es konnte jedoch keine spezifische Anreicherung relevanter Pathogene nachgewiesen werden, was für eine Nutzung von Regenwasser spricht.
Die in den Feldversuchen gewonnenen Daten geben bereits einen ersten guten Überblick zum allgemeinen Potenzial verschiedener Anlagen zur Biofilmbildung. Die Nutzung des CDC-Re-aktors als dynamisches Wachstumsmodell in Kombination mit der Inokulation mit komplexen ex-situ Biofilmen aus VKAs ermöglichen realitätsnähere Untersuchungen zum Vergleich von Trink- und Regenwasser als Wasserquelle für diese.