Leuphana Universität Lüneburg
Centre for Sustainability Management
Professur für Nachhaltigkeitsökonomie und -management
Universitätsallee 1
21335 Lüneburg
Das Projekt zielte darauf ab, ungenutzte Potentiale für nachhaltigkeitsorientiertes Unternehmertum (im Folgenden als Ökopreneurship bezeichnet) zu heben und die Gründung nachhaltigkeitsorientierter Unternehmen durch junge, umweltbewusste Erwachsene anzuregen. Ökopreneurship beschreibt die Gründung von Unternehmen, welche durch Innovationen einen Beitrag zur Lösung drängender Nachhaltigkeitsprobleme leisten.
Die gesellschaftliche Bedeutung von Ökopreneurship entsteht unter anderem dadurch, dass neugegründete, nachhaltigkeitsorientierte Unternehmen ein besseres, bedarfsorientiertes Angebot für Kund*innen kreieren und etablierte Wettbewerber mit diesem Angebot unter Druck setzen, da die Erwartungshaltung von Konsumierenden und der Gesetzgebung steigt. Um Nachhaltigkeitstransitionen realisieren zu können, nimmt Ökopreneurship daher eine zentrale Rolle ein.
Derzeit ist insbesondere in jüngeren Generationen ein Anstieg des Umweltbewusstseins zu beobachten, der sich u.a. in der Vielzahl an zivilgesellschaftlichen Initiativen und dem Zuwachs an Studiengängen mit Umweltbezug zeigt. Im Gegensatz zu Studierenden der Wirtschaftswissenschaften, streben Studierende der Umweltwissenschaften und Mitglieder von Umweltschutzverbänden allerdings nur äußerst selten ±«²Ô³Ù±ð°ù²Ô±ð³ó³¾±ð²Ô²õ²µ°ùü²Ô»å³Ü²Ô²µ±ð²Ô an. Im Rahmen dieses Projekts wurden zielgruppenspezifische Bildungsmaßnahmen entwickelt und durchgeführt, die dazu dienten dieses Potential zu heben und Ökopreneurship zu fördern.
Zum Projektauftakt erfolgte ein Wissens- und Erfahrungsaustausch mit dem Expert*innenpool des Projektes und der DBU, welcher über die gesamte Projektlaufzeit kontinuierlich fortgeführt wurde. Insbesondere mit dem Green Start-up Programm der DBU erfolgte ein enger Austausch.
Auf Basis dieses Austausches, sowie einer systematischen Literaturanalyse zu soziodemographischen Eigenschaften umweltorientierter Unternehmungsgründer*innen, wurden zielgruppenspezifische ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô zur Förderung von Ökopreneurship entwickelt. Anschließend folgten die Entwicklung eines Evaluationstools und die Durchführung der ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô an der Leuphana Universität sowie in Kooperation mit außeruniversitären Akteuren (insbesondere mit Umweltschutzverbänden). Dabei wurden sehr unterschiedliche, komplementäre Veranstaltungsformaten geplant und durchgeführt (u.a.: verpflichtende Ringvorlesungen, Seminare, Thinkathons, Exkursionen zu Ökopreneur*innen; Sommercamps).
Alle durchgeführten Veranstaltungen werden evaluiert, um die daraus entstandene Gründungstätigkeit sowie deren Einflussfaktoren zu erheben. Auf Basis der Evaluationen wurden die durchzuführenden ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô kontinuierlich angepasst, um eine größtmögliche Wirksamkeit zu gewährleisten. Zusätzlich erfolgt eine langfristige Begleitung der entstandenen Gründungsideen, um die entstandenen Gründungsvorhaben in ein etabliertes Förderschema zu integrieren. Hierbei wurde intensiv mit dem Gründungsservice der Leuphana Universität zusammengearbeitet. Abschließend erfolgte die Skalierung der durchgeführten und erfolgreich evaluierten ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô. Um die ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô über den ¹óö°ù»å±ð°ù³ú±ð¾±³Ù°ù²¹³Ü³¾ hinaus weiterführen zu können, wurden zudem zwei Train-the-Trainer Seminare für Hochschuldozent*innen, Gründungsberater*innen und Vertreter*innen von Jugend-Umweltschutzverbände durchgeführt.
²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô
Es wurden 5 gründungsorientierte Kurse zu Ökopreneurship (an der Leuphana) sowie 4 Sustainable Innovation Thinkathon angeboten (2 an der Leuphana, 2 für Mitgleider von Umweltschutzverbänden), in denen Teilnehmende u. a. mit Design Thinking Methoden und Business Model Tools umweltorientierte Geschäftsmodelle entwickelt haben. Zusätzlich wurde zweimal eine Vorlesung für alle Erstsemesterstudierenden zu nachhaltigkeitsorientiertem Gründen durchgeführt. Seit 2021 findet jedes Semester die HEY-Vortragsreihe (ca. 4-5 Vorträge) mit Impact-Gründer*innen in Kollaboration mit dem SCHub (Social Change Hub) der Leuphana statt. Dabei berichten die Gründer*innen von ihren Erfahrungen und beantworten Fragen. Dort waren z.B. Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn, Gründerinnen des nachhaltigen Fashion-Labels Bridge&Tunnel sowie Luca Windolph und Kristina Niehoff, Gründerinnen des nachhaltigen Kaffeeanbieters Sol Nocturno zu Gast.
Des Weiteren wurden zwei Sommercamps für Gründungsinteressierte in Zusammenarbeit mit dem SCHub durchgeführt. Dabei wurden u. a. Coachings für gründungsinteressierte junge Menschen angeboten. Auch die vier Exkursionen zu Ökopreneur*innen wurden von den Studierenden sehr gut angenommen (z.B. zum sozialen Granola-Hersteller HEYHO oder der Gemüsegenossenschaft WirGarten). Zudem fanden zwei Workshops für Mitglieder von Umweltschutzverbänden statt.
±«²Ô³Ù±ð°ù²Ô±ð³ó³¾±ð²Ô²õ²µ°ùü²Ô»å³Ü²Ô²µ±ð²Ô
Durch die vielfältigen Bildungsmaßnahmen wurden mehrere konkrete Gründungsvorhaben angeregt und auch über das Ende der jeweiligen ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô hinaus begleitet und an bestehende Unterstützungsformate wie den Leuphana Gründungsservice herangeführt. So konnte beispielsweise das Gründungsvorhaben "Soil Sisters" begleitet durch den Leuphana Gründungsservice ein EXIST-Gründungsstipendium einwerben. Die Nachverfolgung der tatsächlichen ±«²Ô³Ù±ð°ù²Ô±ð³ó³¾±ð²Ô²õ²µ°ùü²Ô»å³Ü²Ô²µ±ð²Ô wurde jedoch durch oft große zeitliche Abstände und veränderte Personenkonstellationen nach Teilnahme an den ²Ñ²¹ÃŸ²Ô²¹³ó³¾±ð²Ô erschwert.
Verstetigung
Die Bildungsformate die besonders große Anstiege an relevanten Kompetenzen sowie Gründungsintentionen hervorrufen konnten, wurden zudem an der Leuphana verstetigt (u.a. gründungsorientierte Seminare zu Ökopreneurship im Masterstudiengang). Um die Wirkung des Projektes über die Projektregion hinaus skalieren zu können, wurden zwei Train-the-Trainer Seminare durchgeführt und das Projekt auf (wissenschaftlichen) Konferenzen vorgestellt (in Hamburg, Dortmund, Nürnberg & Braunschweig).
Im Juli 2022 wurde eine Auftaktkonferenz durchgeführt, um alle Praxis- und Wissenschaftspartner*innen mit dem Projekt vertraut zu machen und über Synergien und Kooperationsmöglichkeiten zu sprechen. Zusätzlich erfolgte eine Vorstellung des Projektes auf dem ‚Social Start-Up-Day Niedersachsen 2022‘ in Braunschweig. Das Projekt wurde ebenfalls durch Train-the-Trainer-Seminare (Hamburg und Dortmund) der Öffentlichkeit präsentiert sowie in öffentlichen Workshops in Lüneburg. Eine besondere Bedeutung für die Ö´Ú´Ú±ð²Ô³Ù±ô¾±³¦³ó°ì±ð¾±³Ù²õ²¹°ù²ú±ð¾±³Ù kam der Zwischenkonferenz zu. Diese verfolgte zwei Ziele: 1) Potential und Bandbreite nachhaltigen Unterneh-mer*innentums praktisch aufzuzeigen und 2) jungen Menschen eine Bühne und einen Austauschort für ihre nachhaltigen Gründungs- und Projektideen zu geben.
Außerdem wurde das Projekt auf Fachkonferenzen vorgestellt. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Kooperationen, konnten Vernetzungen mit neuen Akteuren, wie dem Utopia in Lüneburg, den Transformations::Räumen (Leuphana Universität) und dem Haus der Möglichkeiten in Soltau geknüpft werden. Darüber hinaus findet auch über Projektende hinaus ein kontinuierlicher Austausch mit mehreren gründungsinteressierten Studierenden und Initiativen statt.
Das Projekt vom „Öko zum Ökopreneur“ konnte über 30 Veranstaltungen durchführen, die der Förderung nachhaltiger ±«²Ô³Ù±ð°ù²Ô±ð³ó³¾±ð²Ô²õ²µ°ùü²Ô»å³Ü²Ô²µ±ð²Ô durch junge umweltbewusste Menschen dienten. Die systematische Evaluation der Veranstaltungen verdeutlichte, dass die Zielgruppe umweltbewusster junger Menschen sehr vielversprechend ist, da diese einen besonders hohen Anstieg in Bezug auf die Kompetenzen für nachhaltiges Unternehmertum zeigen und infolgedessen gestiegenen Gründungsintentionen. Viele der entwickelten und besonders erfolgreichen Veranstaltungsformate konnten an der Leuphana Universität Lüneburg verstetigt und institutionalisiert werden. Durch Train-the-Trainer Seminare unter Dozierenden im Bereich nachhaltiges Unternehmertum wurde zudem erreicht, dass die entwickelten und erfolgreich validierten Veranstaltungsformate auch über die Projektregion hinaus skaliert werden können.