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Projekt 37671/01

Die lebendige Textilbibliothek “LiveTexBibo” – Expert*innenwissen in innovativem Dialogformat für nachhaltiges Textilwesen verfügbar machen

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Technische Universität Chemnitz
Fakultät Maschinenbau
Professur Textile Technologien
Reichenhainer Str. 70
09126 Chemnitz

Zielsetzung

Die Textilindustrie zählt weltweit zu den ressourcen- und emissionsintensivsten Branchen. Entlang der textilen Wertschöpfungskette entstehen vielfältige Umweltbelastungen – unter anderem durch den Einsatz von Pestiziden im Naturfaseranbau, einen hohen Wasser- und Energieverbrauch, Chemikalien in Färbeprozessen, globale Transportwege, Mikroplastikemissionen sowie schwer recycelbare Materialmischungen.

Gleichzeitig stehen zahlreiche Lösungsansätze zur Verfügung, darunter ressourcenschonende Faserproduktion, innovative Färbeverfahren, regionale Lieferketten, kreislauffähiges Produktdesign sowie neue Recyclingtechnologien. Damit diese Ansätze wirksam werden, bedarf es jedoch eines intensiven Austauschs zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft.

Hier setzt das Projekt LiveTexBibo – Die Lebendige Textilbibliothek an. Ziel des Projekts ist es, Expert:innen der nachhaltigen Textilwirtschaft als „lebendige Bücher“ mit Interessierten in den persönlichen Dialog zu bringen. Durch den direkten Austausch werden wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und unterschiedliche Perspektiven entlang der textilen Wertschöpfungskette niedrigschwellig vermittelt. Das Format fördert Wissensaufbau, Perspektivwechsel und die Reflexion über nachhaltiges Handeln.

Arbeitsschritte

Im Projekt LiveTexBibo – Die Lebendige Textilbibliothek wurde die dialogorientierte Methode der „Living Library“ erstmals auf den Kontext der nachhaltigen Textilwirtschaft übertragen. Der Projektverlauf gliederte sich in drei Phasen:

1. Konzeption und Formatentwicklung
Zunächst wurde ein übertragbares Veranstaltungsformat entwickelt, das auf persönliche 1:1-Gespräche mit sogenannten „lebendigen Büchern“ basiert – Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen der textilen Wertschöpfungskette, z. B. Textildesign, Materialforschung, Produktion, Handel, Bildung oder Kreislaufwirtschaft. Das Format wurde methodisch, visuell und organisatorisch so aufbereitet, dass es modular einsetzbar und skalierbar ist. Begleitend entstand ein Leitfaden zur Durchführung sowie ein datenschutzkonformer digitaler Buch-Katalog.

2. Durchführung und Erprobung in verschiedenen Kontexten
Im Projektverlauf wurden 23 Veranstaltungen in ganz Deutschland durchgeführt – eingebettet in Messen, Hochschulformate, Festivals und Konferenzen. Dabei kamen drei methodische Varianten zum Einsatz:
• klassische Präsenzformate,
• hybride Veranstaltungen,
• sowie digitale Pilotformate.

Die methodische Umsetzung basierte jeweils auf einem festen Ablauf mit Registrierung, Einführung, Buchauswahl, Gesprächsführung und Abschluss. Ergänzt wurde das Konzept durch visuelle Materialien, Social Media und begleitende ÖڴڱԳٱ𾱳ٲ𾱳.

3. Evaluation und Verstetigung
Die Wirkungen des Formats wurden durch Rückmeldungen, Veranstaltungsdokumentationen und Feedbackbögen erfasst. Die Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung des Formats ein. Der entwickelte Leitfaden sowie der Buch-Katalog wurden öffentlich zugänglich gemacht, um zukünftige Umsetzungen durch externe Akteur:innen zu ermöglichen.

Kernmethode des Projekts war der persönliche Dialog auf Augenhöhe zwischen Expert:innen und interessierten Besucher:innen – ein Ansatz, der emotionales Lernen, Perspektivwechsel und nachhaltige Auseinandersetzung fördert. Die Methodik orientierte sich an Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), partizipativen Lernformaten und Storytelling.

Ergebnisse

Ergebnisse



Im Projektzeitraum wurden 23 Veranstaltungen der Lebendigen Textilbibliothek erfolgreich durchgeführt. Die Veranstaltungen fanden unter anderem in Berlin, Chemnitz, Frankfurt am Main, Hamburg, Hof, Köln und Wuppertal statt und waren in Fachmessen, wissenschaftliche Konferenzen, Hochschulveranstaltungen sowie Bildungs- und Dialogformate eingebunden.



Insgesamt wurden 68 lebendige Bücher mit Expertise aus den Bereichen Textildesign, Kreislaufwirtschaft, Materialentwicklung, Produktion, Handel, Forschung und Bildung akquiriert. Beispiele hierfür sind:

-> Circular Clothing Genossenschaft – Kreislaufwirtschaft

-> lokaltextil UG – Nachhaltiges Textilbildung

-> Lebenskleidung GbR – Textile Lieferketten

-> MOOT Upcycling GmbH – Upcycling



Im Rahmen der Veranstaltungen wurden insgesamt über 620 Dialoggespräche geführt.



Die begleitende Online-Bibliothek umfasst derzeit 40 öffentlich zugängliche lebendige Bücher und bildet eine dauerhafte Wissensplattform für die nachhaltige Textilwirtschaft. Ergänzend wurde ein frei nutzbarer Leitfaden veröffentlicht, der Organisationen die eigenständige Umsetzung des Formats ermöglicht.



Besonders erfolgreich erwies sich die Durchführung im Rahmen des Sustainable Fashion Summit Frankfurt, bei der eine frühzeitige Einbindung der Teilnehmenden zu einer hohen Gesprächsqualität und intensiven fachlichen Diskussionen führte.



Diskussion



Die Evaluation zeigte, dass die Lebendige Textilbibliothek insbesondere in vorbereiteten Bildungs- und Fachkontexten ihre größte Wirkung entfaltet. Die persönliche Gesprächssituation ermöglichte einen intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch, der von Teilnehmenden als besonders authentisch und niedrigschwellig wahrgenommen wurde.



Gleichzeitig zeigte sich, dass offene Messeformate aufgrund ihres hohen Besucheraufkommens und der notwendigen Gesprächsdauer weniger geeignet sind. Zudem erwies sich die quantitative Evaluation als herausfordernd, da viele Teilnehmende nach den Gesprächen keine schriftlichen Feedbackbögen ausfüllten. Die Projektergebnisse stützen sich daher neben den verfügbaren Evaluationen wesentlich auf qualitative Rückmeldungen der Besucher:innen und lebendigen Bücher.



Insgesamt konnte gezeigt werden, dass sich das Format erfolgreich auf die nachhaltige Textilwirtschaft übertragen lässt und insbesondere in Bildungs-, Wissenschafts- und Fachveranstaltungen einen hohen Mehrwert für Wissensvermittlung, Vernetzung und Perspektivwechsel bietet.

ÖڴڱԳٱ𾱳ٲ𾱳

Die ÖڴڱԳٱ𾱳ٲ𾱳 konzentrierte sich auf die Vorstellung und Erprobung der Lebendigen Textilbibliothek im Rahmen etablierter Fachveranstaltungen. Das Projekt wurde unter anderem auf der Techtextil Frankfurt, der ISPO München, dem Sustainable Fashion Summit Frankfurt sowie an Hochschulen und wissenschaftlichen Veranstaltungen präsentiert.

Parallel wurde die digitale Online-Bibliothek aufgebaut, in der derzeit 40 lebendige Bücher mit ihren jeweiligen Fachgebieten öffentlich vorgestellt werden. Dadurch bleiben die beteiligten Expert:innen auch über die Projektlaufzeit hinaus sichtbar und ansprechbar.

Ergänzend wurde ein Leitfaden veröffentlicht, der interessierten Organisationen die eigenständige Durchführung einer Lebendigen Textilbibliothek ermöglicht.

Die Kommunikation wurde über den Instagram-Kanal @livetexbibo begleitet. Dort wurden Veranstaltungen, Expert:innen und Projekteinblicke dokumentiert. Zusätzlich profitierte das Projekt von der ÖڴڱԳٱ𾱳ٲ𾱳 zahlreicher Kooperationspartner:innen aus Wissenschaft, Bildung und Praxis.

Weiterführende Informationen

-> Online-Bibliothek:
-> Instagram:

Fazit

Mit LiveTexBibo – Die Lebendige Textilbibliothek konnte gezeigt werden, dass sich das international etablierte Konzept der Living Library erfolgreich auf Fragestellungen der nachhaltigen Textilwirtschaft übertragen lässt. Der persönliche Dialog zwischen Expert:innen und Interessierten erwies sich als wirkungsvolles Instrument zur Vermittlung komplexer Nachhaltigkeitsthemen sowie zur Förderung von Perspektivwechsel und Vernetzung.

Zu den dauerhaften Projektergebnissen zählen

-> eine bundesweit erprobte Veranstaltungsmethodik,
-> ein öffentlich zugänglicher digitaler Buchkatalog mit derzeit 40 lebendigen Büchern,
-> ein Leitfaden zur eigenständigen Umsetzung,
-> sowie ein gewachsenes Netzwerk aus Expert:innen, Hochschulen, Unternehmen und weiteren Akteur:innen der nachhaltigen Textilwirtschaft.

Das Projekt zeigt insbesondere Potenzial für den Einsatz in Hochschulen, Bildungseinrichtungen, Fachveranstaltungen sowie unternehmensbezogenen Dialogformaten. Dort können die entwickelten Materialien unmittelbar weiter genutzt und das Format eigenständig umgesetzt werden.

Für die weitere Verstetigung bieten sich Kooperationen mit Hochschulen, Bildungsnetzwerken, Brancheninitiativen und Unternehmen an. Die im Projekt entwickelten Materialien schaffen hierfür eine belastbare Grundlage.

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121.700,00 €

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01.03.2022 - 30.06.2025

Bundesland

Sachsen