Âé¶¹´«Ã½

Projekt 35937/01

Förderinitiative Pestizide: Induzierte Resistenz im Hopfenanbau gegen Spinnmilben: Analyse und Verwertung als Baustein im integrierten Pflanzenschutz

±Ê°ù´ÇÂá±ð°ì³Ù»å³Ü°ù³¦³ó´Úü³ó°ù³Ü²Ô²µ

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
- Präsident -
Vöttinger Str. 38
85316 Freising

Zielsetzung

Die Gemeine Spinnmilbe Tetranychus urticae ist ein Hauptschädling im Kulturhopfen, der bei starkem Befall zu signifikanten Qualitäts- und Ernteverlusten bis hin zum totalen Ernteausfall führen kann. Sie sticht mit ihren Mundwerkzeugen auf der Blattunterseite ihre Wirtspflanzen an und saugt den zuckerhaltigen Zellsaft. Als Folge kollabieren die Zellen und es treten zunächst kleine helle, gelblichweiße Flecken auf. Stark befallene Blätter vertrocknen und verfärben sich grau- oder kupferbraun und fallen schließlich ab. Das Schadbild wird am Hopfen auch als „Kupferbrand“ bezeichnet.
Zum Schutz der Hopfenpflanzen werden weltweit regelmäßig Akarizide eingesetzt. Da starker Spinnmilbenbefall vor allem von trockener, warmer Witterung begünstigt wird, gewinnt dieser polyphage Schädling durch den Klimawandel in Deutschland weiter an Bedeutung. Witterungsbedingte Probleme durch Spinnmilbenbefall im Hopfen verstärken sich bereits heute und führen zu häufigeren Einsätzen von Akariziden, wobei zunehmend Resistenzbildungen der Spinnmilben gegen zugelassene Pflanzenschutzmittel beobachtet werden.
Beobachtungen der letzten Jahrzehnte aus verschiedenen Pflanzenschutzversuchen am Hopfenforschungszentrum zeigten aber auch, dass Hopfenpflanzen nach überstandenem schwerem Spinnmilbenbefall in der Lage sind, sich in Folgejahren selbst gegen übermäßigen Befall zur Wehr zu setzen. Ob und inwieweit ein- oder zweijähriger, starker Befall von Hopfenpflanzen mit der Gemeine Spinnmilbe die Anfälligkeit dieser Pflanzen gegenüber Spinnmilben durch „Induzierte Resistenz“ in den Folgejahren senkt, soll hier untersucht werden.
Die Sekundärmetaboliten des Hopfens sind sehr gut erforscht, aber hautsächlich jene der Dolden in Bezug auf seine Aromen und den Brauprozess. Forschungsarbeiten im Bereich der Pflanzen-Herbivor-Interaktionen sind noch sehr selten. Im Laufe dieses Projektes wird durch Freiland- und Topfversuche untersucht, ob eine induzierte Resistenz gegen Spinnmilbe im Hopfen tatsächlich vorkommt und ob volatile Sekundärmetaboliten dabei eine Rolle spielen.
Aus den Ergebnissen des Projekts sollen Erkenntnisse für den Pflanzenschutz in der Praxis erarbeitet werden, die zu einer Reduktion von Akariziden beim Anbau von Kulturhopfen beitragen sollen. Als Ziel wird angestrebt, im Durchschnitt den Verzicht auf eine Akarizidbehandlung pro Hektar Hopfenfläche und Jahr zu erreichen, d.h. die Einsparung einer Behandlung auf ungefähr 20.000 ha pro Jahr.

Arbeitsschritte

In dem Forschungsvorhaben wurde über fünf Jahre untersucht, inwieweit starker Spinnmilbenbefall einer individuellen Hopfenpflanze ihre Anfälligkeit gegenüber Spinnmilben in den Folgejahren reduziert. Die vermutlich zugrunde liegenden Mechanismen werden unter dem Oberbegriff ‚Induzierte Resistenz‘ zusammengefasst. Induzierte Resistenz umschreibt die Steigerung der natürlichen Widerstandsfähigkeit einer individuellen Pflanze ohne Veränderung ihrer genetischen Konstitution. In der hier vorliegenden Interaktion von Hopfenpflanzen und Spinnmilben handelt es sich vermutlich um die „Systemic Acquired Resistance“ (SAR), die Abwehrreaktion einer Pflanze gegenüber einem Krankheitserreger. Die SAR ist eine Art pflanzliches Immunsystem und wird auch als pflanzliches Erinnerungsvermögen bezeichnet („plant memory“). Wenn eine Pflanze mit einem Pathogen konfrontiert ist, wird in der Pflanze eine Reaktion in Gang gesetzt, die auf biochemischen Prozessen beruht und die ganze Pflanze beim erneuten Angriff des Schaderregers schützt. Das Projekt soll über Analysen von Inhaltsstoffen befallener wie nicht befallener Blätter auch Rückschlüsse über die zugrunde liegenden Mechanismen liefern.
Aus den Ergebnissen des Projekts werden Erkenntnisse für den Pflanzenschutz in der Praxis erarbeitet, die zu einer signifikanten Reduktion von Akariziden beim Anbau von Kulturhopfen beitragen sollen ‒ idealerweise hin zu einer Situation, in der ein Akarizideinsatz eher die Ausnahme als die Regel darstellt.
Im ersten Projektjahr 2021 wurden 20 Kooperationsbetriebe angeworben, die Praxisflächen ausgewählt und jeweils die beiden Parzellen „unbehandelt“ und „gespritzt“ mit jeweils ca. 500 m² für die gesamte Projektdauer festgelegt. Mit einem Topfversuch im Gewächshaus wurde im Frühsommer 2022 begonnen. Dabei wurde eine Hälfte von 200 Hopfenpflanzen pro Sorte gezielt einem künstlichen hohen Spinnmilbenbefall ausgesetzt und die andere Hälfte mit Akarizid befallsfrei gehalten. Beide Kohorten der Sorten Hallertauer Tradition, Spalter Select und Tettnanger wurden im Frühjahr 2023 in einen Versuchsgarten im Freiland ausgepflanzt; Herkules folgte später im Jahr. Diese Parzellen wurden 2024 und 2025 regelmäßig auf ihre Spinnmilbenentwicklung bonitiert. Daneben wurden Blattproben beider Kohorten für eine Untersuchung im GC-MS entnommen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigten eine starke Abhängigkeit des Spinnmilbenbefalls vom Witterungsverlauf. Während 2021, 2023 und 2024 meist nur geringer bis moderater Spinnmilbendruck zu verzeichnen war, waren 2022 und besonders 2025 Jahre mit starkem Befall. In Jahren mit geringem Befallsdruck zeigten sich kaum Unterschiede zwischen Kontroll- und Praxisparzellen, was darauf hinweist, dass Akarizidbehandlungen in solchen Jahren häufig nicht notwendig gewesen wären. Bei starkem Befall traten dagegen vor allem bei Hallertauer Tradition teils deutliche Ertrags- und Qualitätsverluste auf. Die Sorte Herkules erwies sich insgesamt als robuster: Trotz teilweise hoher Befallswerte wurden hier häufig keine oder nur geringe wirtschaftlich relevante Ertragseinbußen festgestellt.

Ein eindeutiger kausaler Nachweis einer induzierten Resistenz konnte im Projekt nicht erbracht werden. Die jahresübergreifende Auswertung identifizierte jedoch mehrere Parzellen, vor allem bei Herkules, deren Befallsverlauf mit einem möglichen Resistenz- oder Toleranzeffekt vereinbar ist. Gleichzeitig konnte die in der Praxis verbreitete Sorge, dass sich unbehandelter Spinnmilbenbefall zwangsläufig über die Jahre aufschaukelt, eindeutig widerlegt werden. Auch Nützlinge wie Raubmilben, Blumenwanzen und der Schwarze Kugelmarienkäfer trugen häufig zur Regulierung der Spinnmilbenpopulationen bei, erklärten die beobachteten Rückgänge des Befalls jedoch nicht vollständig.

Die ausgepflanzten Topfpflanzen, die bereits im Gewächshaus Erfahrung mit einem starken Spinnmilbenbefall gesammelt hatten (Indu) und jene, die durch Akarizide spinnmilbenfrei gehalten wurden (PSM), wurden 2023 und 2024 im Versuchsgarten auf Spinnmilben bonitiert. Der Befall war sehr gering und es gab keine Unterschiede zwischen den unterschiedlich vorbehandelten Pflanzen.

Bei den Blattanalysen wurden die Peaks der GC/MS Spektren mit der NIST-Bibliothek verglichen und so vorläufig identifiziert. Die Auswertung der GC/MS Daten mittels MetaboAnalyst 6.0 zeigte, dass die Hopfenblätter der Sorten Spalter Select und Herkules Substanzen enthalten, die in den chemischen Profilen der anderen Hopfensorten nur in geringen Mengen oder gar nicht vorkommen. Die Hopfensorten zeigen also sortenspezifische chemische Profile. Inwieweit der Befall von Blattlaus und Spinnmilbe einen Effekt auf die Blattchemie hat, muss noch genauer analysiert werden, allerdings scheint die Substanz Methylsalicylat dabei eine wichtige Rolle zu spielen.

Ö´Ú´Ú±ð²Ô³Ù±ô¾±³¦³ó°ì±ð¾±³Ù²õ²¹°ù²ú±ð¾±³Ù

Zu Beginn des Projekts wurde eine Projektwebseite bei der LfL eingerichtet, um allen Interessierten eine Informationsmöglichkeit zu bieten (www.lfl.bayern.de/hopfen-induresi). Auf diese Webseite wurde sowohl in Veröffentlichungen als auch in Vorträgen verwiesen.
Nach einer Pressemitteilung der LfL zum Projektstart wurde das Thema von diversen lokalen Tageszeitungen aufgegriffen und das Projekt vorgestellt. Daneben wurde es auch im DBU-Newsletter vom Mai 2025 thematisiert und am 12. September 2025 im Bayerischen Fernsehen in der Sendung 'Unser Land' präsentiert. Zusätzlich erfolgten Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.
In der gesamten Projektlaufzeit wurden unterschiedliche Zielgruppen im Rahmen von 25 Vorträgen über das Projekt informiert – von größeren Hopfenbau-Versammlungen über die Bioland-Woche bis hin zu je einem internationalen Kongress in Spanien (2022), Slowenien (2023), Tschechien (2024) und Deutschland (2025).
Daneben wurde das Projekt laufend fachlich interessierten Besuchern des Hopfenforschungszentrums in Hüll im Rahmen von Führungen vorgestellt – so z. B. Studierenden der Agrarwissenschaften der ETH Zürich oder Bloggern, Influencern und Pressevertretern aus dem Brauwesen.

Fazit

Das Projekt zeigt, dass der Spinnmilbenbefall im Hopfen stark vom Jahresverlauf, vom Standort und von der Sorte abhängt. In vielen Fällen wäre eine Akarizidbehandlung nicht notwendig gewesen. Daraus ergibt sich ein klares Einsparpotenzial, sofern Behandlungen konsequent am tatsächlichen Befall und nicht routinemäßig ausgerichtet werden.
Ein eindeutiger Nachweis einer induzierten Resistenz konnte nicht erbracht werden. Die Daten zeigen jedoch mehrere Befallsmuster, die mit einer induzierten Resistenz vereinbar sind. Besonders auffällig war dabei die Sorte HKS, die deutlich robuster gegenüber den Folgen von Spinnmilbenbefall als andere Sorten erscheint.
Für die Praxis ist nicht der vollständige Verzicht auf Akarizide die zentrale Schlussfolgerung, sondern deren gezieltere Anwendung. Der Einsatz sollte künftig stärker nach Befallsdruck, Sorte, Entwicklungsstand der Spinnmilbenpopulation, Nützlingsvorkommen und zu erwartendem Schad-potenzial entschieden werden.
Außerdem wurde die in der Praxis verbreitete Sorge widerlegt, dass sich unbehandelter Spinn-milbenbefall automatisch im Folgejahr zu stärkerem Befall aufschaukelt. Dadurch entsteht Spielraum für ein zurückhaltendes, beobachtungsbasiertes Vorgehen. Wichtig ist, dass die beteiligten Betriebe künftig unbehandelte Parzellen weiter beobachten, Behandlungen hinauszögern oder insgesamt weniger Akarizide einsetzen wollen. Das Projekt hat damit nicht nur Daten geliefert, sondern auch ein praxisrelevantes Umdenken angestoßen.

ܲú±ð°ù²õ¾±³¦³ó³Ù

¹óö°ù»å±ð°ù²õ³Ü³¾³¾±ð

451.634,00 €

¹óö°ù»å±ð°ù³ú±ð¾±³Ù°ù²¹³Ü³¾

01.06.2021 - 31.05.2026

Bundesland

Bayern

³§³¦³ó±ô²¹²µ·Éö°ù³Ù±ð°ù

Bavaria
Land use
Nature Conservation